Erinnerung – Traum – Glück

Das zweite Programm lädt in einen imaginären Salon, in dem Musik der drei Altersgenossen Chopin, Schumann und Mendelssohn mit Werken des Fin de siècle sowie jüngst entstandenen Kompositionen kontrastiert werden. Das Motto dazu könnte – nach Gabriel Faurés Lied «Après un rêve» – lauten: Dans un sommeil que charmait ton image, je rêvais le bonheur... In der Tat eignet den meisten Werken dieses Programms ein Zug wehmütiger Erinnerung und das Heraufbeschwören vergangenen Glücks.

Dies gilt zwar nicht für die jugendfrische Polonaise brillante des kaum zwanzigjährigen Fréderic Chopin; auch nicht unbedingt für dessen reife Cellosonate, obwohl sie zu seinen letzten Kompositionen zählt und im Rückblick auf eine reiche schöpferische Tätigkeit entstanden ist.

Aber Robert Schumanns drei Stücke op. 73 sind in seinem charakteristischen Fantasie- und Märchenstil gehalten, der mit viel Wärme und Humor eine romantische Welt in der inneren Vorstellung der Zuhörenden evoziert. Auch Felix Mendelssohn appelliert mit seinen Liedern ohne Worte an die Fantasie und überlässt es unserer Vorstellungskraft, ihnen einen imaginären Text zu unterlegen.

Gabriel Fauré andrerseits hat in seiner Vertonung des Gedichts «Après un rêve» die Atmosphäre des Textes so gut eingefangen, dass die träumerisch nostalgische Musik auch in einer rein instrumentalen Fassung – quasi als Lied ohne Worte – ihren ganzen Zauber entfaltet.

Vollends Musik des Erinnerns sind die beiden Stücke des polnischen Komponisten Marek Stachowski. Dies drückt sich schon im Titel des dem Gedenken an einen Kol legen und Freund gewidmeten Adagio ricordamente aus, dessen gesangliche Melodik ausgesprochen rhetorische Qualität hat, sodass man sie sich sehr gut mit einem Text gesungen vorstellen könnte. Im zweiten, dem Gedenken seiner Frau gewidmeten Stück greift Stachowski dann mit Recitativo e preghiera explizit auf Formen der Vokalmusik zurück. Und so schlagen diese beiden ergreifenden Gedenkmusiken auch den Bogen zum Tombeau de Chopin des ersten Programms.

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