Das erste Konzert dieser Saison beschwört die Ambiance der Pariser Belle Époque herauf:

poetisch, raffiniert, einmal ekstatisch, einmal melancholisch. Die Harfe vermag diesen Stimmungen auf charakteristische Weise Ausdruck zu verleihen. Sie erfreute sich im spätromantisch-impressionistischen Pariser Musikleben jener Zeit besonderer Beliebtheit, sei es als Bereicherung des Sinfonieorchesters – wer hat nicht die Harfenglissandi und -akkorde in Debussys La mer im Ohr – oder als Kammermusikinstrument wie im Duo dieses Konzerts, in dem sich die weiche, singende Stimme des Cellos klangfarbenreich mit dem kristallinen und sphärischen Timbre der Harfe verbindet.

Das Paris des ausgehenden 19. Jahrhunderts war denn auch Ausbildungsstätte sämtlicher grosser Harfenisten der Zeit, zu denen die hier gespielten
Marcel Tournier, Henriette Renié und der Turiner Luigi Maurizio Tedeschi gehören. Ebenfalls in Paris wirkten Camille Saint-Saëns und sein Schüler Gabriel Fauré. Saint-Saëns’ Fantaisie op. 95 für Harfe, in der sich Kaskaden schneller Noten mit thematischen Linien voller Pathos abwechseln, erinnernd an die Effekte und akrobatischen Linien der Jugendstilarchitektur, schöpft ganz die durchsichtige Klanglichkeit der gezupften Saiten aus. Die Pavane von Fauré hingegen, dem gleichnamigen höfischen Tanz der Renaissance nachempfunden, ist im Original eine Komposition für Orchester – in einer der existierenden Versionen sogar mit Choreinlagen, basierend auf den ironisch-exaltierten Versen des Pariser Dandys Graf Robert de Montesquiou.

Unterschiedlich wahlverwandt mit diesen Werken sind die
Sonate für Cello und Basso continuo des spätbarocken Exzentrikers Francesco Geminiani,
die tonal komponierten
drei Nocturnes des Niederländers Marius Flothuis und schliesslich die von Sara Terzano bearbeiteten Love themes, die den Zuhörer in die magische Atmosphäre der Filmmusik von Nino Rota und Ennio Morricone entführen.

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